mein Weg zum ICH

Alles einsteigen, anschnallen, es geht los!

Also bei mir wars so: hier schildere ich meinen ganz persönlichen Weg

5 Jahre alt

Kindergarten:ich war glücklich weil ich keine weiblichen Attribute körperlicher Art hatte und als Junge gesehen wurde

Schulzeit:
ich war sehr burschikos und hatte immer kurze Haare. Ich war schon immer in Mädchen verliebt und empfand es als furchtbar und als Hindernis, ihnen nicht als ICH nahekommen zu können, weil ich ja im falschen Körper steckte. Ich träumte und wünschte mir ein Bub/Mann zu sein und eine Freundin zu haben.

Ich habe versucht mich als Mädchen zu geben, habe mich “verkleidet” mit Schminke und Kleidern und versucht einen Freund zu haben, aber in Wahrheit war ich immer in meine besten Freundinnen oder Bekannte verliebt.

1995: erste Therapie

ich hatte einen Nervenzusammenbruch, da ich schreckliche Probleme und Ängste mit meinem Körper hatte, vorallem der Brust, habe ich eine Therapie begonnen, die 2 Jahre gedauert hat. Ich konnte mich weder anschauen noch anfassen, selbst das berühren der brust beim Waschen war unmöglich. Ich weiß nicht einmal wie ich ausgesehen habe. ich hatte nur das Pech, dass ich eine recht große Brust hatte und auch sonst alle Nachteile eines sehr weiblichen Körpers.

1997:  Namensfindung 

meine Freunde und ich versuchen einen passenden Vornamen für mich zu finden > Sam war es eigentlich von Anfang an, weil mein früherer Vorname (aus meinem “falschen Leben”) auch mit S anfing und mein Hund Sammy hieß :)

Patrick war es kurzzeitig, aber passte nicht…

Juli 2001: zweite Therapie

nachdem ich jahrelang versucht hatte mit meinem Körper zu leben und dachte, meine Träume reichen aus um glücklich zu sein, und das vor mir selber verstecken geht so weiter, bekam ich wieder Panikattacken und Angst vor meinem Körper. Ich suchte eine andere Therapeutin auf um mir klar zu werden, was ich tun sollte. Ich hatte Angst nach außen zu gehen. Ich habe nicht verstanden warum mich der Gedanke, mich operieren zu lassen und den Weg auf mich zu nehmen meinen Körper meinem Geschlecht anzupassen, verängstigte. Ich dachte immer, ich weiß nicht ob ich wirklich ein mann bin. Wie kann ich das herausfinden? Ich wusste ich bin keine Frau, aber ein Mann bin ich deshalb noch lange nicht. Ich hatte immer Angst und zu wenig Mut für mich einzustehen und es war mir unangenehm für mich einzustehen.

2002: Genetische Chromosomenanalyse im Wilhelminenspital

24.3.2003: Mastektomie – privat – selbst bezahlt – bei plastischem Chirurgen in Wien

Jänner 2010: Start Psychotherapie

8.6.2010: Vornamensbewilligung – Sam Vincent Finlay – neuer Namenstag

2.2.2011: Start der Hormontherapie – 1. Testospritze

März 2011: erste Rasur :)

30.6.2011: Personenstandsänderung – offiziell ein Mann mit neuer Geburtsurkunde

25.7.2011: Umstieg aufs Testogel – 50mg am Tag

28.9.2011: Hysterektomie

Infos zur Vorgehensweise, da sehr viele fragen was muss ich wann machen: gilt für Österreich bzw. wars bei mir so
Zu aller erst Psychotherapie. (Alltagstest)
Währenddessen Psychologe, Psychiater und genetische Analyse.
Dann Behörden für Vornamensänderung.
Dann Freigabe für Hormone bei Psychiater und behandelnder Ärztin.
Dann habe ich mit den Hormonen begonnen, vorher geht gar nichts.
Dann Antrag auf Personenstandsänderung.
Vorher Gutachten von Psychiater, Therapeutin und behandelnder Ärztin.

Normalerweise hat es die Krankenkasse gerne wenn man 1 Jahr Hormone nimmt um die körperlichen Veränderungen für die OP zu schaffen, aber da ich vor Jahren die Mastektomie schon auf eigene Faust und Rechnung gemacht habe, war bei mir nur mehr die Hysterektomie zu machen und dafür brauch ich nicht lange Hormone nehmen damit sich die Brust zurückbildet :) ich hatte ja keine mehr.
Aber ich würde empfehlen es nicht unter 6 Monaten zu versuchen. Also man startet mit den Hormonen und dann musste ich ein weiteres Gutachten beim Psychiater anfordern und von meiner Therapeutin. Damit bin ich dann zu meiner behandelnden Ärztin Frau Dr. Kaufmann im AKH gegangen und die hat das finale Gutachten geschrieben. Damit bin ich auf die Wiener Gebietskrankenkasse gegangen (da gibt es eine Frau Dr. die dafür zuständig ist) und die haben alle Unterlagen geprüft und innerhalb von 10 Tagen hatte ich die Freigabe. Es war hilfreich alle Gutachten und alle Tests abzugeben.

Man braucht ja einige Gutachten für die Hormoneinnahme und die wollten sie auch. Weiters einen genetischen Nachweis. (den hatte ich aber schon lange). Damit sie wissen wie deine Chromosomen sind aber den hab ich schon für die Hormonfreigabe gebraucht.

Jetzt bin ich glücklich aber oftmals unzufriden weil man mich nicht als Mann erkennt. Stimmlich und anscheinend vom Aussehen. Ich fühle mich immer noch irgendwie zwischen den Geschlechtern. Darum überlege ich den Aufbau um endlich körperlich frei leben zu können. Mehr News folgen.

Fotodoku:

Februar 2011 – Start Hormontherapie  – bis August 2011

aktuelle Fotos folgen bald – auch Körperfotos

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Der Mann im März

one of my kind – part TWO – It’s me I’m looking for

FEBRUAR 2012

Zeit wiedermal ein paar Fragen zu beantworten! :)

That’s me – heute >

und das war ich vor einem Jahr >

merkt man die “Vermännlichung etwa schon? :P

Also nach einem Jahr auf Testo und bald 8 Monaten als “offizieller” Mann laut Papieren.. bin ich immer noch der “Alte” :)

Zumindest hatte ich Geburtstag und wurde wieder ein Jahr älter. :) Happy Birthday to ME!

Es gibt viel Neues! Vielleicht könnt ihr mich schon bald auch öffentlich sehen!!! Wie was wann warum teile ich euch noch mit, aber soviel schon jetzt – I’m a Star – aber holt mich hier NICHT raus! :) Ich bleib drin.. in meinem Leben!

Und jetzt bemühe ich mich weitere Fragen zu beantworten: und sorry sollte ich mich wiederholen. Ich bekomme so viele Zuschriften, da kann das schon mal passieren.. verliere langsam den Überblick

  • Wann hast du es gewußt ein Mann zu sein?
    Ich wusste es auch schon im Kindergarten, hab mich aber sehr lange nicht getraut etwas zu sagen. Hat 35 jahre gedauert bis ich begonnen habe. Sicher war ich mir nur keine Frau zu sein aber macht mich das zum mann? ich habe es früh meinen freunden gesagt. eltern erst viel später als es nicht mehr ging. im job hab ich es erst gesagt als ich begonnen habe mit der anpassung. wenn man sehr jung ist (Pubertät) ist es manchmal schwierig, weil die leute denken du weißt noch nicht wer du bist und was du willst aber das wissen wir nie. unser ganzes leben nicht. wer weiß schon wer er ist :)
  • Freunde: unterschätze sie nicht.. diese frage kommt immer wieder. wie werden sie reagieren, was mache ich wenn sie damit nicht umgehen können. soviel dazu von mir: meine waren alle super happy und haben gefragt warum ich so lange gewartet habe. sie haben es schon immer gewusst! sie unterstützen mich und stehen hinter mir. daran erkennt man wahre freunde. angst hat man natürlich aber es gibt nichts schöneres und wichtigeres als zu sich selbst zu stehen.. immer… und die menschen die dich lieben und mögen wie du bist.. stehen dann hinter und neben dir.
  • Zweifel:  habe ich heute noch und manchmal ist es mir zu viel.. aber durch den kontakt zu menschen und familie und freunden und meiner frau kann ich alles schaffen.. und ihr auch.. weil den ersten schritt haben viele bereits gemacht.. sie haben mir geschrieben, fragen gestellt, sind raus gegangen.. haben sich gemeldet…das ist das Wichtigste..
    damit signalisiert ihr euch selber, dass ihr euch wichtig seid!!! also weiter so… es scheint unüberwindlich aber mit einem schritt nach dem anderen geht das! glaubt mir!
  • Wie hat deine Freundin reagiert? Hast du eine Beziehung? ich habe seit über einem jahr eine freundin mit tochter und wir leben als mann und frau zusammen.. sie liebt und unterstützt mich. Sie hat mich als anders normalen mann kennengelernt und ich sie ist mein Stern! :) Sie sieht mich als vollwertigen Mann und darum kann ich in mein neues Leben reinwachsen und mich selber besser akzeptieren.
  • Wie geht deine Familie damit um? Meine Familie geht sehr gut damit um. War aber meine größte Hürde mich zu trauen etwas zu sagen. Aber irgendwann ging es nicht mehr. Ich habe leider meinen Vater nicht mehr, der mir sehr fehlt und den ich gerne an meiner Seite hätte. Für meine Mum war und ist das sicher alles nicht leicht, aber ein offenes Gespräch möchte sie von sich aus nicht führen. Sie akzeptiert und liebt mich aber ob sie Angst hat oder nicht und wie die Situation für sie ist, kann ich nicht sagen.
  • War es schwierig im Beruf für dich? Nein. Mein Job gibt mir die Möglichkeit der zu sein der ich bin und ich konnte nach 15 Jahren im falschen Körper endlich als Mann in meiner Firma offiziell arbeiten. Alle sind verständnisvoll und auch die Kunden sind frendlich, neugierig und aufgeschlossen.
  • Seit wann weißt du das du ein Mann sein willst? seit 13.2.1975 .. da wurde ich geboren….
  • Kannst du Kinder zeugen? Das wäre momentan ein Wunder und ich würde mich heilig sprechen lassen :) kann nicht gehen da ich ja ohne Hoden geboren wurde und keine männlichen inneren Organe habe.

die wichtigste Antwort auf all die fragen: keiner von euch Betroffenen ist alleine!!! und keiner MUSS aufgeben!!! es gibt sehr viele wie uns ;)  Viele Fragen über wie mache ich den ersten Schritt und ich habe Angst und ich bin mir nicht sicher ob ich es wirklich bin? Ich möchte dazu eines sagen: 100% hat man nie – egal zu welcher Frage oder zu welchem Bereich. Ich weiß bis heute nicht 100% was es heißt ein Mann zu sein,  bin ich einer oder will ich “nur” einer sein? Ich fühle mich seitdem ich denken kann als ICH.. als Sam und ich bin keine Frau .. ich weiß das.. aber macht mich das automatisch zum Mann? Auf jeden Fall tut es weh wenn mich Menschen JETZT NOCH als Frau ansprechen. Die Hölle! Jetzt mit dem T (Testosteron) und der OP und dem Mini-Bart :( und trotzdem.

Lest meinen Blog und ihr werdet sehen auch ich habe gehadert und gezweifelt, hatte Angst und habe hin und her überlegt! Viele von euch sind viel jünger als ich. Ich habe viele Jahre gebraucht um den Mut zur  Veränderung zu gehen auch wenn es das war was ich immer wollte!!  Wir Betroffenen haben etwas gemein, etwas verbindet uns,  aber trotzdem sind wir charakterlich und menschlich oft grundverschieden und jeder Mensch geht anders langsam oder schnell. Somit können wir einander nicht vergleichen nur bestärken.

Heutzutage ist es einfacher als vor 20 Jahren und niemand ist alleine. Es gibt Freunde und Familie, es gibt Anlaufstellen und es gibt diesen Blog und jemand der sich bemüht zu antworten :) MICH

Also wenn ihr mir schreiben wollt > hier unten gibt es ein Kontaktformular.
Keep in touch und bis bald!

Euer Sam

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